Windkraft in Unterfranken


Windkraft

Ihre Ansprechstellen

Region 1 (Bayerischer Untermain)

Raumordnung, Landes-
und Regionalplanung

Tel: 0931/380-1279
Fax: 0931/380-2279
Raum H 291 , Peterplatz 9
97070 Würzburg

Region 2 (Würzburg)

Raumordnung, Landes-
und Regionalplanung

Tel: 0931/380-1397
Fax: 0931/380-2397
Raum H 296 , Peterplatz 9
97070 Würzburg

Region 3 (Main-Rhön)

Raumordnung, Landes-
und Regionalplanung

Tel: 0931/380-1388
Fax: 0931/380-2388
Raum H 391 , Peterplatz 9
97070 Würzburg

Die Energiewende ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Sie bedeutet eine grundlegende Umgestaltung unserer Energieversorgung, die über mehrere Jahrzehnte hinweg gewachsen ist: Der Ersatz von Atomkraft und fossilen Energieträgern durch regenerative Energieträger und die weitgehende Ablösung einer auf zentralen Großkraftwerken basierenden Versorgungsstruktur zu einer dezentralen Struktur erfordern einen langen Atem. Einen wichtigen Beitrag für die künftige Stromversorgung wird die Windkraft leisten müssen, da bei ihr – im Gegensatz z.B. zur Wasserkraft – noch größeres Ausbaupotential besteht. Das bayerische Energieprogramm sieht vor, dass der Anteil der Windkraft an der Bruttostromerzeugung zukünftig bei 5-6% liegen soll (2016: 3,2 %). Insgesamt soll der Anteil regenerativer Energieformen an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2025 auf rund 70% gesteigert werden.

In Bayern waren Ende September 2017 1.085 Windkraftanlagen (2.393 MW) in Betrieb. Dies sind 63 mehr als noch Ende März 2017 (1.022 WKA mit 2.217 MW). Weitere 110 Anlagen sind genehmigt, jedoch noch nicht in Betrieb (Quelle: Sharepoint Windkraft).

Bereits heute leisten in Unterfranken 247 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 551 MW einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende im stromerzeugenden Sektor (Stand 30.09.2017). Mit einem Anteil von ca. 12 % an der Gesamtfläche Bayerns hat Unterfranken einen Anteil von 23% der bayerischen WKA (Ende März 2017 noch 24%).

Die meisten Windkraftanlagen drehen sich in der Region Würzburg (129 Anlagen), gefolgt von der Region Main-Rhön mit 104 Anlagen.

Übersichtskarte:
Windkraftanlagen in Unterfranken, Stand 30.09.2017

Am 21. November 2014 ist das Gesetz zur Änderung der Bayerischen Bauordnung (BayBO) in Kraft getreten. Damit hat der bayerische Gesetzgeber von der Befugnis der Länderöffnungsklausel in § 249 Abs. 3 Baugesetzbuch (BauGB) Gebrauch gemacht. Kernstück der Neuregelung ist die sogenannte 10 H-Regelung (Art. 82 BayBO). Diese sieht bei Windenergieanlagen einen Mindestabstand vom 10-fachen ihrer Höhe zur geschützten Wohnbebauung als Voraussetzung für eine Privilegierung nach § 35 Abs. 1 Nr. 5 BauGB vor. Jedoch können die Gemeinden den „entprivilegierten“ Windkraftanlagen durch einen Bebauungsplan Baurecht schaffen, d. h. Gebiete für Anlagen festsetzen, die den 10 H-Abstand unterschreiten. Durch die 10 H-Regelung kommt vor allem der kommunalen Bauleitplanung eine besondere Rolle für den Ausbau der Windkraft in Bayern zu.

Die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr hat in Abstimmung mit den betroffenen Ressorts „Anwendungshinweise zur 10-Regelung“ erarbeitet und ein „Merkblatt Bauleitplanung für Windenergieanlagen“ erstellt. Dort werden die wichtigsten Fragen beantwortet, beispielsweise welche Wohngebäude von der Neuregelung erfasst sind und welche Anforderungen  sich für gemeindliche Bauleitpläne ergeben. 

Veränderte Rahmenbedingungen, wie die 10 H-Regelung, sowie Erfahrungen aus der Praxis haben eine Überarbeitung des Windenergie-Erlass notwendig werden lassen (Gemeinsame Bekanntmachung vom 19. Juli 2016). Der Windenergie-Erlass liefert Orientierungshilfen und Hinweise zur Sicherstellung eines einheitlichen Vollzugs, der Erleichterung der immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren sowie der Steuerung der vorgeschalteten Planungen.

Beschreibung

Die Nutzung der Windenergie, verglichen mit konventioneller Energieerzeugung, ist umweltfreundlich. Allerdings: ganz ohne Auswirkungen auf die Umwelt ist keine Anlage zur Energieerzeugung. Die aerodynamische Umströmung des Rotors erzeugt Geräusche. Bei geeigneter Wahl des Standortes können moderne Windkraftanlagen die gesetzlich zulässigen Lärmgrenzwerte einhalten. Optisch beeinträchtigen Windkraftanlagen, wie jedes andere technische Bauwerk auch, die Landschaft.
Die große raumplanerische Herausforderung ist, diese Windkraftanlagen „raumverträglich unterzubringen“. Anders ausgedrückt: Wie sollen in einem relativ dicht besiedelten Land, das zugleich durch wertvolle, empfindliche Landschaften geprägt ist, großtechnische Anlagen, die jegliche vorhandenen Größendimensionen sprengen, konfliktfrei angesiedelt werden? Immerhin sind die höchsten Kirchtürme im ländlichen Raum nur halb so hoch wie aktuelle Windkraftanlagen. Grundsätzlich sind Windkraftanlagen im Außenbereich privilegierte Vorhaben, das heißt, auf eine Baugenehmigung besteht Anspruch, wenn nicht öffentliche Belange entgegenstehen.

Hier erhalten die Regionalen Planungsverbände eine entscheidende Aufgabe: Sie können im Rahmen eines planerischen Gesamtkonzeptes für die Region Vorrang-, Vorbehalts- und ggf. Ausschlussgebiete für die Errichtung von Windkraftanlagen festlegen und dadurch vorausschauend Raumnutzungskonflikte lösen. Die Windkraftnutzung kann so in einem größeren räumlichen Zusammenhang nach einer Gesamtabwägung mit allen anderen betroffenen Belangen und Interessen gesteuert werden. Damit ist es möglich, einen unkoordinierten, die Landschaft zersiedelnden Ausbau zu verhindern. Auch ist der Anschluss an das Stromnetz wirtschaftlicher möglich als bei verstreut liegenden Einzelanlagen.

So werden in den unterfränkischen Regionalplänen  Vorrang-, Vorbehaltsgebiete und Ausschlussgebiete Windkraft ausgewiesen. Verbindlich sind diese Ziele der Raumordnung in den Regionen Würzburg und Main-Rhön.

Damit haben die unterfränkischen Regionalen Planungsverbände die Verantwortung übernommen, durch ein flächendeckendes, schlüssiges Planungskonzept, den Ausbau der Windkraft über Vorrang- Vorbehaltsgebiete und Ausschlussgebiete raumverträglich zu steuern. Grundlage der Steuerung ist dieses auf die jeweilige Region abgestimmte Planungskonzept mit einheitlichen, nachvollziehbaren und fachlich begründeten Tabukriterien.

Leitlinien dieser Steuerung sind:

  • Schutz der Wohnbevölkerung durch Vorgabe eines generellen Siedlungsabstands (i.d.R. höher als der immissionsschutzrechtliche Mindestabstand),
  • Konzentration von WKA in Windparks, um die „Verspargelung“ der Landschaft zu minimieren und Anbindungskosten zu reduzieren,
  • Freihaltung der wertvollsten Landschaftsteile.

Aus der Sicht der Raumordnung von Vorteil ist, dass die Regionalplankonzepte eine Steuerungswirkung entfalten, da sie bei den einzelnen Genehmigungen von Windkraftanlagen zu beachten bzw. zu berücksichtigen sind. Die befürchtete „Verspargelung“ lässt sich so verhindern. Auch werden in der Regionalplanung teilweise wesentlich größere Abstände zur Wohnbebauung vorgesehen, als bei Einzelgenehmigungen derzeit erforderlich wären. Dies soll auch der langfristigen Akzeptanz der Windkraft dienen.

Die 10 H-Regelung gilt auch innerhalb der regionalplanerischen Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Windkraftnutzung (sofern hier die Gemeinden nicht über ihre Bauleitplanung eine Unterschreitung vorsehen) und ist im Rahmen von Genehmigungsverfahren anzuwenden. D.h. in den regionalplanerischen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten sind zunächst nicht an jeder Stelle Windkraftanlagen in beliebiger Höhe zulässig. Allerdings entfalten die Vorrang- und Vorbehaltsgebiete, die sich an Abständen von 1.000m (Regionalpläne Würzburg und Bayerischer Untermain) bzw. 800m/1.000m (Regionalplan Main-Rhön) zu Wohnbauflächen und Gemischten Bauflächen orientieren, eine wesentliche steuernde Wirkung, wenn sich Gemeinden entschließen mit Bebauungsplänen die 10H-Regelung zu unterschreiten.

Diese anspruchsvolle Arbeit der Regionalplanfortschreibung zum Thema Windkraft leisten Mitarbeiter der Regierung von Unterfranken als höhere Landesplanungsbehörde. Abgewogen und beschlossen werden die Regionalpläne zur Windkraftnutzung von Vertretern der jeweiligen Regionalen Planungsverbände im Planungsausschuss, in denen insbesondere die Landräte, weitere Vertreter der Landkreise und Bürgermeister Mitglied sind.

In den Regionalplänen der Regionen Bayerischer Untermain, Würzburg und Main-Rhön ist verbindlich festgelegt, dass die Windkraftnutzung in den Landschaftsschutzgebieten der Naturparke Rhön, Spessart, Odenwald, Steigerwald und Haßberge ausgeschlossen ist, weil sie die wertvollsten Landschafts- und Erholungsräume in Unterfranken sind. Dieser Ausschluss ist allerdings nur dann aufrecht zu erhalten, wenn in den übrigen Teilen der drei Planungsregionen der Windkraft ausreichend Raum gegeben werden kann.

Einzig im Landschaftsschutzgebiet Odenwald in der Region 1 ist in den festgelegten Ausnahmezonen die Windkraftnutzung grundsätzlich möglich, da der Windkraft im übrigen Teil der Planungsregion nicht ausreichend Raum gegeben werden kann. Diese Ausnahmezonen wurden durch den Bezirk Unterfranken als Verordnungsgeber auf Basis eines Zonierungskonzepts definiert und in der Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Bayerischer Odenwald“ vom 04.09.2017 festgeschrieben. Gemäß dieser Verordnung obliegt es den jeweiligen Kommunen, die Ausnahmezonen mittels Bauleitplanung für eine tatsächliche Windkraftnutzung zu aktivieren.

Auch wenn die Energiewende weitgehend im Konsens beschlossen wurde, zeigt sich – analog zu Planung großer Infrastrukturvorhaben – sehr deutlich, dass die Schwierigkeiten bei der Umsetzung vor Ort erst richtig beginnen. Wenn es konkret wird, wenn Menschen und auch fachliche Interessen (Natur und Artenschutz, Grundwasserschutz, Rohstoffsicherung, Luftverkehr, Infrastruktureinrichtungen und militärische Belange usw.) direkt betroffen sind, ist es kaum noch möglich, konkrete Gebiete für Windparks im Konsens auszuweisen. Die offensichtlichen Vorteile dieser Stromerzeugung gepaart mit dem unternehmerischen Interesse der Gewinnerzielung treffen dann andere konkurrierende Nutzungen und beispielsweise auf die Befürchtungen der Anwohner vor Lärm, optischer Beeinträchtigung ihres Lebensumfeldes und Abwertung ihrer Grundstücke.
Hier kann die Regionalplanung mit ihrem Instrumentarium von Vorrang-, Vorbehalts- und Ausschlussgebieten zu einer vernünftig abgewogenen Raumnutzung beitragen. Mit den regionalen Steuerungskonzepten wird ein angemessener Interessenausgleich zwischen dem Ausbau der Windkraftnutzung als einem Eckpfeiler der Energiewende, den zu berücksichtigenden Interessen der örtlichen Wohnbevölkerung und der Sicherung einer lebenswerten Natur- und Kulturlandschaft vorgenommen. Gleichzeitig werden Konflikte mit anderen Raumnutzungsansprüchen entschärft. Für die Kommunen, Planungsstellen, Investoren und Genehmigungsbehörden wird mit diesem Plan eine verlässliche Planungsgrundlage geschaffen.

Bei konkreten Windparkplanungen ist darüber hinaus in jedem Einzelfall zu prüfen, ob ein Raumordnungsverfahren erforderlich ist.

Weitergehende Informationen bietet der Bayerische Windatlas als Planungs- und Orientierungshilfe für Kommunen und Regionale Planungsverbände, Energieversorgungsunternehmen und Investoren, Bürger sowie andere Interessierte.

Rund um das Thema Energie informiert der Energie-Atlas Bayern - das zentrale Internet-Portal der Bayerischen Staatsregierung zum Energiesparen, zur Energieeffizienz und zu erneuerbaren Energien.

Weitere Informationen

Stand: 11.01.2018