Neue Regelungen zur Zucht genetisch veränderter Tiere


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Veterinärwesen
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Beschreibung

Begriffsdefinitionen:

  • Gentechnisch verändertes Tier: Unter einem gentechnisch veränderten Tier versteht man einen tierischen Organismus, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt; ein gentechnisch veränderter Organismus ist auch ein Organismus, der durch Kreuzung oder natürliche Rekombination zwischen gentechnisch veränderten Organismen oder mit einem oder mehreren gentechnisch veränderten Organismen oder durch andere Arten der Vermehrung eines gentechnisch veränderten Organismus entstanden ist, sofern das genetische Material des Organismus Eigenschaften aufweist, die auf gentechnische Arbeiten zurückzuführen sind. (Quelle: § 3 Gentechnikgesetz).
  • Zucht: Verpaarung von Tieren sowie künstliche Vermehrung
  • Verfahren: alle Eingriffe mit einer invasiven oder nicht invasiven Verwendung eines Tieres zu Versuchszwecken oder anderen wissenschaftlichen Zwecken mit bekanntem oder unbekanntem Ausgang, oder zu Ausbildungszwecken, die bei dem Tier Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden in einem Ausmaß verursachen kann, das dem eines Kanüleneinstichs gemäß guter tierärztlicher Praxis gleichkommt oder dieses übersteigt
  • Abschluss eines Verfahrens: wenn bei genetisch veränderten, neuen Tierlinien an der Nachkommenschaft keine weiteren Beobachtungen mehr anzustellen sind oder nicht mehr erwartet wird, dass diese Schmerzen, Leiden oder Ängste empfindet oder dauerhafte Schäden erleidet, die denen eines Kanüleneinstichs gleichkommen oder darüber hinausgeht
  • Phänotyp. Belastungseinschätzung: Die Mutation beeinflusst u.U. Verhalten, Stoffwechselleistungen, Größe oder Entwicklung von Tieren, diese Veränderungen treten häufig erst nach einer Zucht auf Homozygotie auf und können alle Lebensabschnitte der Tiere betreffen (Schenkel et al., 2006). Die Phänotyp. Belastungseinschätzung muss deshalb vom Embryonalalter bis zum erwarteten Lebensende der Tiere erstrecken und alle relevanten Veränderungen abdecken. Hierzu gehören durchaus auch Tests auf Stoffwechselleistungen (z.B. Nieren- oder Leberparameter, Hormonstatus usw.) und genaue ethologische Untersuchungen (Ängstlichkeit, Aggressivität, maternale Fehlleistungen usw.) bzw. adäquatem Reiz-Reaktionsverhaltens; Grundsatz: je länger eine Linie existiert, um so sicherer liegt eine genaue phänotyp. Belastungseinschätzung vor.


Rechtsfolge aus der RL 2010/63/EG:

Die Zucht und Rekombination von transgenen Tieren, also z.B. auch die Zucht mehrfachmutanter Tiere stellt per se ein genehmigungspflichtiges Verfahren dar.


Hintergründe:

Transgene Tiere bieten für die wissenschaftlichen Fragestellungen viele Vorteile (Schenkel et al., 2006). Festzustellen bleibt, dass namentlich die Nutzung von gentechnisch veränderten Tieren vor Jahr zu Jahr zunimmt und hier auch kein Ende dieser Entwicklung absehbar ist.

Viele dieser transgenen Tiere weisen Belastungen auf oder sind in ihrer Entwicklung beeinträchtigt.


Entscheidungshilfe:

a) Kontrolle des phänotyp. Belastungsdatenblattes des Entwicklers bzw. der einschlägigen Datenbanken (z.B. www.jax.org), wenn notwendige Beobachtungen abgeschlossen und keine Belastungen => Erhaltungszucht wird „zootechnische Maßnahme“
b) Kontrolle des phänotyp. Belastungsdatenblattes des Entwicklers bzw. der einschlägigen Datenbanken (z.B. www.jax.org), wenn notwendige Beobachtungen abgeschlossen und Belastungen => Erhaltungszucht ist ein Tierversuch
c) Transgene Linie wurde vor Ort neu etabliert, Beobachtungen noch nicht abgeschlossen => Weiterzucht im Rahmen des ursprünglichen Genehmigungsbescheides unter Beachtung der genehmigten Tierzahlen!
d) Zuchtmaßnahme zur Generierung besonderer Individuen (z.B. Mehrfachmutante Tiere im Cre/Lox-Systemen usw.), Beobachtungen zum Phänotyp der Nachkommen noch nicht abgeschlossen/Phänotyp unbekannt => Rekrutierung der Tiere mit besonderen Genotyp = Tierversuch

Zusammenfassung:

Die Generierung und Weiterzucht belasteter transgener Tiere stellt einen genehmigungspflichtigen Tierversuch dar. Die exakte phänotyp. Belastungseinschätzung ist die Schlüsselstelle für die weitere Vorgehensweise.
Allein schon die genaue Beobachtung der gewonnenen Individuen zur Bestimmung des Phänotyps macht eine stringente Organisationsstruktur notwendig (sachkundiges Personal, Laborausstattung uvm.). Hierdurch ergibt sich die Notwendigkeit, besondere Zentren zu schaffen, in denen die notwendigen Tätigkeiten auf hohem Niveau und bei minimalem Tierverbrauch durchgeführt werden können (Dr. Naumann, MPI Dresden, pers. Mitteilung).
 

Downloads

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Dokument Typ Dateigröße
Workshop - Belastungseinstufung Genetisch Veränderter Tiere Allgemeiner Teil PDF 67 KB
Workshop - Belastungseinstufung Genetisch Veränderter Tiere Formular 1 PDF 55 KB
Workshop - Belastungseinstufung Genetisch Veränderter Tiere Formular 2 PDF 52 KB
Workshop - Belastungseinstufung Genetisch Veränderter Tiere Formular 3 PDF 55 KB
Workshop - Belastungseinstufung Genetisch Veränderter Tiere Formular 4 PDF 61 KB
Stand: 19.12.2017