Jagd und Veterinärrecht: Tierische Nebenprodukte im Jagdrevier


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Der „Luderplatz“ oder

Die Möglichkeiten der rechtskonformen Entsorgung von Aufbruch und anderen Tierkörperteilen aus jagdlicher Direktvermarktung

 

 

Beschreibung

Aufbruch und andere Wildkörperteile können von Jägern auf verschiedene, rechtskonforme Arten unschädlich beseitigt werden. Eine davon ist die Verwendung als Lockmittel in Fallen oder an Ansitzeinrichtungen („der Luderplatz“). Andere Möglichkeiten sind die Entsorgung über Nebenproduktesammlung (Konfiskat => Tierkörperbeseitigung), über Hausmüll und Abfallrecht („Biotonne“) aber ggf. auch die unschädliche Beseitigung am Erlegungsort (in dem Jagdrevier, aus dem das Tier stammt). In Regionen mit seltenen fleischfressenden Tierarten (Greifvögel wie z.B. Bartgeier, bestimmte Säugetierarten usw.) wäre die Anlage eines Futterplatzes gemäß Nebenprodukterecht statthaft.

A) Nutzung als Lockmittel

Luderplatz ist nach Wikipedia: „…Ein Luderplatz ist eine jagdliche Einrichtung zum Anlocken von fleischfressenden Tieren. Die Anlockung dient der Bejagung und der Beobachtung. Als Lockmittel werden Teile von Tieren (z. B. Innereien, Abfallfleisch), auch Fisch, verwendet (Gegensatz: „Kirrung“ = Einsatz von vegetarischen Lockmitteln, auch Eiern und Käse). Auch fleischliches Haustierfutter (für Hunde und/oder Katzen; Feuchtfutter und Trockenfutter) wird verwendet…“

Diese Definition kann als wertfreie Beschreibung des status quo verstanden werden, die Nutzung aller dieser o.g. Substrate ist aus Gründen der vorbeugenden Tierseuchenbekämpfung und des Nebenprodukterechtes aber nicht denkbar und auch nicht empfehlenswert.

Über die geeignete Art und Weise, diese Einrichtungen anzulegen, informieren die zuständigen Landesjagdverbände, z.B.
http://www.jagd-bayern.de/fileadmin/_BJV/Jagd_In_Bayern/jib_2011_11/JiB_11_11_fuchs_ludern.pdf

Als geeignete Köder („Luder“) kommen hier v.a. solche Substrate in Frage, von denen keine Tierseuchengefahren ausgehen, die von der ortsüblichen, revierspezifischen Sachlage abweichen. Das Ausbringen von Schlachtabfällen von Haustieren, Küchen- oder Speisereste oder proteinhaltiges Tierfutter für Haus- und Nutztiere ist hierbei nicht geeignet.

B) Fütterungsplätze gemäß VO 142/2011

Nicht vom Begriff „Luderplatz“ umfasst sind Fütterungsplätze für bedrohte, fleisch- oder aasfressende Tierarten (Carnivoren, Greifvögel oder Eulen), die nach Nebenprodukterecht genehmigt werden (können) und der Arterhaltung dienen. Solche Plätze werden gesondert eingerichtet, z.B. durch Umzäunung, damit Menschen und Haustiere keinen Zugang bekommen. In Unterfranken existiert derzeit noch kein solcher Futterplatz.

C) Entsorgung von Wildabfällen im eigenen Jagdrevier (am Ort der Erlegung)

Das Ministerium für Landwirtschaft des Bundeslandes Rheinland-Pfalz hat eine aus unserer Sicht sehr schöne Aufschlüsselung der Möglichkeiten und Grenzen dieser Entsorgungsmöglichkeit unter folgender Adresse veröffentlicht:

Leitfaden zur Entsorgung von Wild
Leitfaden zur Entsorgung von Fallwild
 

Bei weiteren Rückfragen verweisen wir Sie auch an Ihr zuständiges Veterinäramt

Stand: 19.12.2017