Amphibienschutz in Unterfranken:
Würzburger Peterplatz bietet Rückzugsgebiet für seltene Tierarten:
„Frankenwein schützt Leben“
Sperrfrist: 01. April 2010 (Aprilscherz)
Von rechts nach links: Peter Krämer (Artenschutzreferent der Regierung von Unterfranken) und Dieter Mages (Hausamt) kümmern sich persönlich um die täglichen Pflegemaßnahmen zum Erhalt der seltenen Bacchus-Kröten.
Bildgröße/-typ: 1096 KB, jpg
Würzburg (ruf) – Mit schweren Kisten beladen machen sich bereits seit Tagen einige Mitarbeiter der Regierung von Unterfranken auf den Weg in die Katakomben der ehemaligen Benediktinerabtei unter der Regierung am Würzburger Peterplatz. Die Kisten sind
mit Weinflaschen bestückt und was wie die Vorbereitung einer Betriebsfeier aussieht, ist in Wahrheit eine Aktion um Leben zu retten. Allerdings geht es hier nicht um Menschenleben. Grund für den schweißtreibenden Einsatz der Beamten ist eine unspektakulär und eher hässlich anmutende Amphibienart: Die sogenannte
Bacchus-Kröte (lateinisch: Bufo bacchus).
„Diese fast blinde, nur etwa 5 – 6 cm kleine Kröte ist mit dem Weinbau nach Franken gekommen und an die besonderen klimatischen Bedingungen in Weinkellern hervorragend angepasst“, erklärt
Peter Krämer, Artenschutzreferent an der Regierung von Unterfranken. Der Zusammenbruch des Weinbaus durch die Reblaus Anfang des letzten Jahrhunderts hat allerdings auch der Kröte das Leben schwer gemacht, so dass man der Meinung war die Kröte sei in Franken mittlerweile längst ausgestorben. Denn neben dem Weinkeller braucht die Bacchuskröte auch den wertvollen Traubensaft, der immer irgendwo aus den alten Holzfässern getropft ist. „In den modernen Weinkellern passiert das aber nicht mehr, so dass dies ein weiterer Punkt für das Verschwinden der Kröte war.“, so Krämer weiter.
Doch was hat das alles mit den alten Katakomben der Regierung zu tun?
Dieter Mages vom Hausamt der Regierung, weiß die Antwort: „Wir hatten einen undichten Abfluss in der Weinprüfstelle. Offenbar lief vieles von dem, was in den Abfluss gegossen wurde, nicht in die Kanalisation, sondern in die alten Katakomben. Als wir es reparieren wollten, hüpfte da irgendwas rum.“
In das Abflusssystem der Weinprüfstellen werden bekanntlich auch Reste von Prüfweinen gegossen, die im Rahmen der sensorischen Qualitätsweinprüfung regelmäßig anfallen. Durch den undichten Abfluss wurden so, lange Zeit unbemerkt, ideale Lebensbedingungen für die Bacchuskröte geschaffen. Durch einen der kältesten Winter seit Aufzeichnung der Wetterdaten, ist der Prüfwein heuer allerdings sofort gefroren, so dass bedauerlicherweise schon zahlreiche Tiere der bislang unentdeckten Population verendet waren. Zudem würde die Reparatur des Abflusses die Lebensbedingungen der Kröte nun endgültig zerstören. „Da war guter Rat teuer“, sagt Peter Krämer. Doch mit Hilfe der Weinprüfstelle wurde schnell und unbürokratisch Abhilfe geschaffen: Zukünftig werden einmal täglich die Prüfweinreste über die noch verblieben Tiere ausgegossen. „Denn nun beginnt die Paarungszeit und wir hoffen, dadurch die Population wieder anwachsen lassen zu können“, so Krämer. „Es wird nun Aufgabe der behördlichen Naturschützer sein, die Tiere dauerhaft am Leben zu erhalten.“ Aber auch
Jörg Steinhoff, Sachgebietsleiter Naturschutz hat allen Grund zur Freude. „Wir haben im Eilverfahren das erste unterirdische Naturschutzgebiet Unterfrankens ausweisen können. Damit hat der Norden Bayerns erneut seine Spitzenposition im Naturschutz bewiesen.“
Anlage: 2 Fotos (ruf): Ungewöhnliche Wege im Naturschutz: Mitarbeiter der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken hoffen auf den Erhalt der letzten Bacchus-Kröten-Population in Unterfranken.
Anlagen
Seitenanfang