Presseinfo 117/14 — 30. April 2014


Planfeststellung für die Verlängerung der Würzburger Straßenbahn in die Stadtteile Frauenland und Hubland geht in die zweite Runde


Würzburg (ruf) – Die Regierung von Unterfranken startet heute das zweite Anhörungsverfahren für die Verlängerung der Würzburger Straßenbahn in die Stadtteile Frauenland und Hubland. Gegenstand des Verfahrens sind Umplanungen, die aufgrund der im ersten Anhörungsverfahren erhobenen Einwendungen vorgenommen wurden.

Im Juni 2012 hatte Regierung von Unterfranken auf Antrag der Würzburger Straßenbahn GmbH das Planfeststellungsverfahren nach §§ 28 ff. des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) eingeleitet. Im Anhörungsverfahren erhoben sowohl Fachstellen und Behörden, als auch mehr als 400 Privatpersonen Einwendungen gegen das Vorhaben. Aufgrund dieser Anregungen und Einwendungen wurden die ursprünglichen Planungen durch die Würzburger Straßenbahn GmbH überarbeitet und die im Jahr 2012 öffentlich ausgelegten Planfest-stellungsunterlagen teilweise geändert. Ziel des Bearbeitungsprozesses war, Planänderungen zu erarbeiten, die berechtigten Einwänden bestmöglich gerecht werden. So können aufgrund der überarbeiteten Planung nun zum Beispiel Eingriffe in privates Grundeigentum im Bereich des Wittelsbacher Platzes sowie des Zwerchgrabens und der Trautenauer Straße weitgehend vermieden werden. Zusätzlich sind beispielsweise auch vertiefte Untersuchungen zur Lärmbelastung während der Bauzeit und zu möglichen Buslinienkonzepten nach Fertigstellung der Straßenbahn enthalten.

Die Regierung von Unterfranken führt zu diesen Planänderungen ein erneutes Anhörungsverfahren gemäß § 29 Abs. 1a PBefG durch. Damit erhalten im Anhörungsverfahren mehr als dreißig von der Baumaßnahme betroffene Fachstellen und Behörden sowie die Stadt Würzburg - die sogenannten Träger öffentlicher Belange - Gelegenheit, sich innerhalb von zwei Monaten zu den Planänderungen zu äußern. Parallel dazu werden die Planunterlagen für einen Monat durch die Stadt Würzburg öffentlich zur Einsichtnahme ausgelegt. Ort und Zeit der Auslegung werden durch die Stadt Würzburg noch ortsüblich bekannt gemacht. Dadurch bekommen auch betroffene Privatpersonen die Möglichkeit, sich über die geänderte Planung zu informieren und innerhalb der gesetzlich festgelegten Frist Einwendungen gegen die Planänderungen zu erheben.

Die vollständigen Planfeststellungsunterlagen mit ausführlichen Informationen zu dem Vorhaben werden im Laufe dieser Woche auf der Internetseite der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH eingestellt und können dort abgerufen werden.

Hintergrund:

Gemäß § 28 PBefG dürfen Betriebsanlagen für Straßenbahnen nur gebaut werden, wenn der Plan vorher festgestellt ist. Bei der Planfeststellung sind die von dem Vorhaben berührten öffentlichen und privaten Belange einschließlich der Umweltverträglichkeit im Rahmen der Abwägung zu berücksichtigen.

Die Straßenbahnverlängerung in die Stadtteile Frauenland und Hubland ist das größte Verkehrsinfrastrukturprojekt in der Würzburger Innenstadt seit Jahrzehnten. Durch die Um-wandlung der Konversionsflächen Leighton-Barracks zum neuen Stadtbezirk Hubland und den Ausbau des universitären Campus erhält die Anbindung an das innerstädtische Straßenbahnnetz besonderes Gewicht. Der Neubau einer mehr als vier Kilometer langen doppelgleisigen Straßenbahnstrecke durch dicht bebaute Innenstadtquartiere führt naturgemäß zu Konflikten und hat Auswirkungen auf Umwelt und Natur, das Stadtbild und die verkehrlichen Beziehungen im Bereich der Neubaustrecke. Entsprechend langwierig gestaltete sich der Planungsprozess. Nach Machbarkeitsstudie und Trassenuntersuchung (2007-2009) sowie Scoping-Verfahren nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (2010) wurde die Würzburger Straßenbahn GmbH mit Stadtratsbeschluss vom 28.07.2011 beauftragt, das Planfeststellungsverfahren für die sogenannte Trassenvariante 2c zu beantragen.

Auf Antrag der Würzburger Straßenbahn GmbH vom 31.05.2012 leitete die Regierung von Unterfranken Anfang Juni 2012 das Planfeststellungsverfahren gemäß §§ 28ff. PBefG ein. Im Rahmen des bis August 2012 dauernden Anhörungsverfahrens erhielten mehr als dreißig betroffene Fachstellen sowie die Stadt Würzburg - die sogenannten Träger öffentlicher Belange - Gelegenheit, sich zu den Planungen zu äußern. Parallel dazu wurden die Planfeststellungsunterlagen für einen Monat öffentlich zur Einsichtnahme ausgelegt und ergänzend auf den Internetseiten der Regierung von Unterfranken veröffentlicht. Weit mehr als 400 Privatpersonen und Interessengruppen erhoben daraufhin Einwendungen gegen das geplante Vorhaben.

Im September 2012 übergab die Regierung von Unterfranken die Äußerungen der Träger öffentlicher Belange und die privaten Einwendungen der Würzburger Straßenbahn GmbH zur Stellungnahme. Bedingt durch die Vielzahl der Einwendungen und der darin angesprochenen Themen dauerte der Bearbeitungsprozess bei der Würzburger Straßenbahn GmbH bis zum Juli 2013. Zeitgleich wurden ergänzende Gutachten und Unterlagen erstellt, z.B. zu den Lärm- und Erschütterungsimmissionen während der Bauzeit und zu den Veränderungen, die die neue Straßenbahnstrecke auf städtische und Regionalbuslinien haben wird. Der Bearbeitungsprozess wurde durch einen regelmäßig tagenden Arbeitskreis aus Vertretern der Würzburger Straßenbahn GmbH, der beauftragten Fachplanungsbüros und der Regierung von Unterfranken gesteuert.

Am 16.07.2013 übergab die Würzburger Straßenbahn GmbH ihre Stellungnahme zu den Einwänden - insgesamt 15 Ordner - an die Regierung von Unterfranken. Die Regierung von Unterfranken hat die Stellungnahme daraufhin inhaltlich geprüft und Anfang August den jeweiligen Fachbehörden und Privateinwendern zur Information zugesandt. Parallel dazu hat die Würzburger Straßenbahn GmbH bis März 2014 geänderte Planfeststellungsunterlagen erstellt, um einen Teil der Einwendungen Rechnung zu tragen.

Da umfangreiche Planänderungen vorgesehen sind, führt die Regierung von Unterfranken ein erneutes Anhörungsverfahren mit öffentlicher Auslegung der geänderten Planfeststellungsunterlagen und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange durch.


Pressesprecher Johannes Hardenacke, Tel. 0931/380-1109, Fax 0931/380-2109