Presseinfo 183/14 — 11. Juli 2014


„2013 – Ein herausfordernder Jahrgang, aber gut“

Regierung von Unterfranken zieht Zwischenbilanz für das 1. Halbjahr 2014 bei der Qualitätsprüfung für Weine



Würzburg (ruf) – Zauberte der Weinjahrgang 2012 bei den Winzern weit überwiegend ein entspanntes Lächeln in die Gesichter, war dieses beim 2013 schon deutlich ernster. Denn das Jahr 2013 lässt sich für die fränkischen Winzer als ein Jahr voller Herausforderungen beschreiben. Herausforderungen jedoch, die von ihnen mit Bravour gemeistert wurden. Zur Erinnerung: 2013 brachte den kältesten Frühling seit 25 Jahren. Dies hatte zur Folge, dass der Rebenaustrieb und im Gefolge die Rebblüte im Vergleich zu den Vorjahren sehr spät erfolgte. Darauf folgte ein nasser Juni und danach ein sehr trockener und sonnenreicher Sommer mit Temperaturen bis über 36 Grad Celsius. Die weitgehend kühle und feuchte Witterung im September sorgte dann für einen verspäteten Beginn der Hauptlese. Aufgrund der Witterungsauswirkungen war mancherorts auch eine mehrmalige selektive Lese angesagt. Dies führte dazu, dass die Produktionsbedingungen 2013 in den Weinbaubetrieben mehr Arbeit verursachten und sie damit mehr Geld kostete, als in den zurückliegenden Jahren. Bei einem durchschnittlichen Hektarertrag von 71,1 hl/ha konnten die fränkischen Winzer bei einem durchschnittlichen Mostgewicht von 88° Oechsle immerhin einen für die Erzeugung von Prädikatswein geeigneten Anteil von 65 % – 70 % ernten.

Zum Stichtag 30.06.2014 (1. Halbjahr 2014) wurden vom 2013er Jahrgang mit 22,7 Millionen Liter erst 52 % der tatsächlichen Erntemenge von 44,3 Millionen Liter in der Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken geprüft. Im Vorjahr lag zum Vergleichsstichtag 30.06.2013 der Prozentsatz der geprüften Weinmenge des Jahrgangs 2012 schon bei 58 %, das entsprach in absoluten Zahlen einer geprüften Menge von 27,4 Millionen Liter aus einer Gesamternte von 47,0 Millionen Liter 2012. Die Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken geht davon aus, dass die bislang noch fehlenden Weine im 2. Halbjahr „nachgereicht“ werden.

Jedenfalls haben es die fränkischen Winzer auch im 1. Halbjahr 2014 wieder geschafft, eine sehr ansehnliche Erfolgsquote in der amtlichen Qualitätsprüfung der Weine zu erreichen. Ohne Berücksichtigung der sog. Fassprüfungen konnte im 1. Halbjahr 2014 sehr beachtlichen rund 95 % der angestellten Partien Wein (die für fast 97 % der angestellten Weinmenge stehen) die begehrte Amtliche Prüfnummer (A.P.Nr.) zugeteilt werden. Dieser Erfolgsquotenwert entspricht insoweit dem Erfolgsquotenwert des Vorhalbjahres (1. Halbjahr 2013).

Von den Anträgen auf Erteilung einer A.P.Nr. betrafen rund 26 % (mit ca. 32 % der angestellten Weinmenge) Abfüllungen im Bocksbeutel. Dabei ist zu beachten, dass für Bocksbeutelfüllungen höhere Anforderungen an Lesegut und Geschmack der fertigen Weine erfüllt werden müssen, als für Weine, die in anderen Flaschenformen abgefüllt sind. Dies bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass Weine, die in anderen Flaschenformen als dem Bocksbeutel in den Verkauf kommen, regelmäßig eine geringere Qualität als Bocksbeutelweine aufweisen.

Auch im Jahr 2014 bleibt der Trend zum Silvaner ungebrochen. Zwar liegt nach der bestockten Rebfläche der Müller-Thurgau in Franken nach wie vor unangefochten auf Platz eins, jedoch holt auch hier der Silvaner unaufhaltsam auf. Nach unseren Antragszahlen zur Qualitätsprüfung der Weine übertrifft der Silvaner im 1. Halbjahr 2014 erneut deutlich den Müller-Thurgau. Für Silvaner gingen über 1.800 Anträge mit einer Weinmenge von über 6,9 Millionen Liter bei uns ein. Das entspricht einem Anteil bezogen auf die eingereichten Anträge für Weine mit Rebsortenangabe von rund 24,7 % der Anträge mit ca. 31,9 % der Weinmenge. Die entsprechenden Zahlen für den Müller-Thurgau lauten: 1.500 Anträge (20,2 %) bei einer Weinmenge von 6,3 Millionen Liter (29 %). Die im Hinblick auf die Anbaufläche „fehlenden“ Mengen an Müller-Thurgau werden wohl in erster Linie als Verschnittpartner in anderen Weinen und hier insbesondere im Rotling verwendet worden sein (siehe auch weiter unten). Weitere mengenmäßig bedeutende Rebsorten in Franken sind der Bacchus (3,4 Millionen Liter, 16 %), die Rotweinsorte Domina (0,9 Millionen Liter, 4,1 %), der Riesling mit 0,9 Millionen Liter bzw. 4,1 % und an sechster Stelle die wichtige Rotweinsorte Spätburgunder mit 600.00 Liter bzw. einem Mengenanteil von 2,7 %.

Das Aufkommen an Rotlingen, zeigt eine gewisse Konstanz. Nach knapp 1,7 Millionen Liter oder 6,6 % der Weinmenge im Vorjahreszeitraum, lauten die Zahlen für das 1. Halbjahr 2014 gut 1,7 Millionen Liter entsprechend etwa 7 % der Weinmenge, Werte, die in den letzten Jahren immer ähnlich ausgefallen sind. Rotlinge sind frische, fruchtige Sommerweine, die aus dem Verschnitt von weißen und roten Trauben gewonnen werden. Im Unterschied dazu dürfen Roséweine ausschließlich aus roten Trauben erzeugt werden. Roséweine erreichten mit gut 280.000 Litern allerdings lediglich einen Anteil von rund 1,1 %.

Der Jahrgang 2013 war im Berichtszeitraum mit über 88 % der angestellten Weinmenge vertreten, immerhin noch 7,8 % entfielen auf 2012er Weine, der Rest auf ältere Jahrgänge bzw. sie wurde ohne Jahrgangsangabe zur Prüfung angestellt.

Die Herstellung von Sekten b.A. Franken verharrt trotz ihrer hervorragenden Produktqualität auch in 2014 an der Schwelle zur Bedeutungslosigkeit. So gingen im 1. Halbjahr 2014 mit insgesamt 33 Anträgen auf Sektprüfung – nach 40 Anträgen im Vergleichszeitraum 2013 - etwas weniger Anträge bei uns ein, immerhin blieb die geprüfte Sektmenge nach 54.300 Litern in 2013 mit nunmehr 53.700 Litern nahezu unverändert. Bei diesen (geringen) Mengen ist jedoch zu berücksichtigen, dass nicht nur in Franken, sondern deutschlandweit, die meisten Sekte quasi traditionell ohne A.P.Nummer, d.h. ohne amtliche Qualitätsprüfung, und damit - auf Grund gesetzlicher Vorschriften - ohne engere Herkunftsbezeichnung als Deutschland vermarktet werden. Bei einem Großteil der fränkischen Sekte, ist somit die fränkische Herkunft nicht erkennbar.


Pressesprecher Johannes Hardenacke, Tel. 0931/380-1109, Fax 0931/380-2109