Presseinfo 232/15 — 29. Juli 2015


2014 – Ein Jahrgang, der die Winzer fordert

Regierung von Unterfranken zieht Zwischenbilanz für das 1. Halbjahr 2015 bei der Qualitätsprüfung für Weine

Würzburg (ruf) – War der Winter 2013/14 in Franken auch sehr mild und damit für den Weinbau nicht ungünstig, änderte sich die entspannte Haltung spätestens mit dem während der Erntezeit einsetzenden Dauerregen. Dieser Regen und die nun auch bei uns eingetroffene Kirschessigfliege führten dazu, dass nahezu die komplette Ernte 2014 in Rekordzeit von etwa zwei Wochen einzubringen war, um ein ausreichend gesundes Lesegut auf die Kelter bringen zu können. Bei einem durchschnittlichen Ertrag von rund 77 hl/ha mit einem Anteil von beinahe 50 % prädikatsweingeeigneter Moste erfüllte die Ernte dann allerdings die in sie gesetzten Erwartungen an Menge und Qualität.

Zum Stichtag 30.06.2015 wurden vom 2014er Jahrgang mit 25,1 Millionen Liter immerhin knapp 51 % der tatsächlichen Erntemenge von 49,6 Millionen Liter in der Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken geprüft. Im Vorjahr lagen die Vergleichszahlen für den Jahrgang 2013 bei 52 %, was in absoluten Zahlen einer geprüften Menge von 22,7 Millionen Liter aus einer Gesamternte von 44,3 Millionen Liter entspricht.

Trotz des kellerwirtschaftlich recht anspruchsvollen Jahrgangs haben es die fränkischen Winzer auch im 1. Halbjahr 2015 wieder fertig gebracht, die - auch international beachtete - gute „Performance“ ihrer Weine zu bestätigen. Ohne Berücksichtigung der sog. Fassproben konnte im 1. Halbjahr 2015 höchst erfreulichen knapp 94 % der abschließend geprüften Partien Wein, die für fast 96 % der angestellten Weinmenge stehen, die beantragte Amtliche Prüfnummer (A.P.Nr.) zugeteilt werden.

Von den Anträgen auf Erteilung einer A.P.Nr. betrafen rund 24 % mit ca. 31 % der angestellten Weinmenge Abfüllungen im Bocksbeutel. Dabei ist zu beachten, dass für Bocksbeutelfüllungen höhere Anforderungen an Lesegut und Geschmack der fertigen Weine erfüllt werden müssen, als für Weine, die in anderen Flaschenformen abgefüllt sind. Dies bedeutet aber nicht, dass Weine, die in anderen Flaschenformen als dem Bocksbeutel in den Verkauf kommen, regelmäßig eine geringere Qualität als Bocksbeutelweine aufweisen.

Auch im Jahr 2015 bleibt der Trend zum Silvaner ungebrochen. Zwar liegt nach der bestockten Rebfläche der Müller-Thurgau in Franken nach wie vor unangefochten auf Platz eins, jedoch holt auch hier der Silvaner unaufhaltsam auf. Nach unseren Antragszahlen zur Qualitätsprüfung der Weine übertrifft der Silvaner im 1. Halbjahr 2015 erneut deutlich den Müller-Thurgau. Für Weine aus Silvaner gingen über 1.800 Anträge mit einer Weinmenge von über 6,5 Millionen Liter bei uns ein. Das entspricht einem Anteil bezogen auf die eingereichten Anträge für Weine mit Rebsortenangabe von rund 25 % der Anträge mit ca. 30 % der Weinmenge. Die entsprechenden Zahlen für den Müller-Thurgau lauten: über 1.400 Anträge (knapp 20 %) bei einer Weinmenge von 5,9 Millionen Liter (27 %). Die im Hinblick auf die Anbaufläche „fehlenden“ Mengen an Müller-Thurgau werden wohl in erster Linie als Verschnittpartner in anderen Weinen und hier insbesondere im Rotling verwendet worden sein. Weitere mengenmäßig bedeutende Rebsorten in Franken sind auch heuer wieder der Bacchus (3,6 Millionen Liter, 17 %), die Rotweinsorte Domina (1,0 Millionen Liter, 4,1 %), der Riesling mit 0,9 Millionen Liter bzw. 4,7 % und an sechster Stelle der blaue Spätburgunder mit 570.000 Liter bzw. einem Mengenanteil von 2,6 %.

Das Aufkommen an Rotlingen, geht in diesem Jahr leicht nach oben. Nach gut 1,7 Millionen Liter oder rund 7 % der Weinmenge im Vorjahreszeitraum, lauten die Zahlen für das 1. Halbjahr 2015 rund 1,9 Millionen Liter entsprechend etwa 7,5 % der Weinmenge, Werte, die aber innerhalb einer gewissen Schwankungsbreite der vergangenen Jahre liegen. Rotlinge sind frische, fruchtige Sommerweine, die aus dem Verschnitt von weißen und roten Trauben gewonnen werden. Im Unterschied dazu dürfen Roséweine ausschließlich aus roten Trauben erzeugt werden. Roséweine erreichten mit fast 360.000 Litern allerdings lediglich einen Anteil von rund 1,4 %.

Der Jahrgang 2014 war im Berichtszeitraum mit über 89 % der angestellten Weinmenge vertreten, immerhin noch 6,9 % entfielen auf 2013er Weine, der Rest auf ältere Jahrgänge bzw. auf Weine, die ohne Jahrgangsangabe zur Prüfung angestellt wurden.

Zwar gingen im 1. Halbjahr 2015 mit insgesamt 39 Anträgen auf Sektprüfung – nach 33 im Vergleichszeitraum 2014 – wieder etwas mehr Anträge bei uns ein, trotzdem verharrt die Herstellung von Sekt b.A. Franken auch in 2015 auf niedrigstem Niveau. Dies ist umso unverständlicher, als die Produktqualitäten der Sekte b.A. Franken ganz ausgezeichnet sind. Immerhin stieg auch die geprüfte Sektmenge nach 53.700 Litern in 2014 auf nunmehr 55.900 Litern leicht an. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass nicht nur in Franken, sondern deutschlandweit, die meisten Sekte ohne A.P.Nummer, d.h. ohne amtliche Qualitätsprüfung, und damit - auf Grund gesetzlicher Vorschriften - ohne engere Herkunftsbezeichnung als Deutschland vermarktet werden. Bei einem Großteil der fränkischen Sekte, ist somit die fränkische Herkunft nicht erkennbar.


Pressesprecher Johannes Hardenacke, Tel. 0931/380-1109, Fax 0931/380-2109