Presseinfo 020/16 — 28. Januar 2016


„Trotz schwieriger Erntebedingungen gute Qualität“

Regierung von Unterfranken zieht Bilanz der amtlichen Weinprüfung für 2015

Würzburg (ruf) – Mit dem Jahrgang 2014 können die fränkischen Winzer sowohl hinsichtlich der Menge als auch der Qualität vollkommen zufrieden sein. Dies auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Klimawandels und des mit der Erntezeit einhergehenden Dauerregens, der die Winzer 2014 dazu zwang, so früh und schnell zu lesen, wie nie zuvor, um ein gesundes Lesegut auf die Kelter zu bringen. Die aktuelle Auswertung der insgesamt über 12.200 Verfahren zur Qualitätsprüfung der Weine und Schaumweine der Regierung von Unterfranken für das Prüfjahr 2015 liegt nun vor. Im abgelaufenen Jahr 2015 wurden in erster Linie die Weine des Jahrgangs 2014 zum „amtlichen Wein-TÜV“ angestellt. Von diesem Jahrgang hatten am Ende des Jahres 2015 mit ca. 36,2 Millionen Litern rund 73 % der Erntemenge von ca. 49,6 Millionen Liter das amtliche Prüfverfahren durchlaufen.

Der Anteil der „fränkisch-trocken“ ausgebauten Weine mit maximal 4 Gramm Restzucker an den Anstellungen im Jahr 2015 war mit 7,1 Millionen Liter (18,2 %) gegenüber dem Prüfjahr 2013 geringfügig ansteigend (Prüfjahr 2014: 17,6%). Gleiches gilt für den Anteil der Weine mit einem Restzuckergehalt zwischen 4 und 9 Gramm pro Liter mit 18,1 Millionen Liter (46,3 %; Prüfjahr 2014: 46,1%). Letztere dürfen nach EU-Recht ebenfalls mit der Geschmacksangabe „trocken“ bezeichnet werden. Anders als bei den Sekten besteht aber keine Verpflichtung, die Geschmacksangabe in der Etikettierung der Weine anzubringen. Hingegen ging die Quote der Bocksbeutelfüllungen auf ca. 29 % der geprüften Weinmenge nochmals leicht zurück. Weine, die in Bocksbeutel gefüllt sind, müssen bekanntlich höhere Anforderungen in der Qualitätsprüfung der Weine erfüllen als solche, die in anderen Flaschenformen vermarktet werden. Es wird sicherlich interessant, wie der neue Bocksbeutel, der im Dezember 2015 vom Fränkischen Weinbauverband vorgestellt wurde, künftig die Füllmengen beeinflussen wird.

Die nach wie vor beliebte Weinart „Rotling“, ein Verschnitt von Weißweintrauben mit Rotweintrauben, die meist sehr fruchtige Weine ergibt, erreichte im Jahr 2015 mit einem Anteil von 7,0 % punktgenau das gleiche Niveau wie in 2014. Im Unterschied dazu dürfen Roséweine, die den Rotlingen meist zum Verwechseln ähnlich sehen, ausschließlich aus roten Trauben erzeugt werden. Roséweine erreichten allerdings mit ca. 1,2 % nur einen bescheidenen Anteil an den geprüften Weinen.

Knapp 88 % der geprüften Menge wurden mit einer Rebsortenangabe vorgestellt; und zwar unter 64 verschiedenen Rebsorten. Zugelassen zur Weinbereitung sind in Bayern derzeit übrigens genau 115 (68 weiße und 47 rote Rebsorten). Das Hauptkontingent stellte zum sechsten Mal in Folge erneut der Silvaner, dieses Mal mit fast genau 31,0 % der Menge, gefolgt vom Müller-Thurgau mit 28,5 % Anteil. Müller-Thurgau ist die Rebsorte, die in den Jahren bis 2009 immer am stärksten vertreten war. Auf Platz 3 landete erneut der Bacchus mit 15,9 % Anteil, gefolgt von der mengenmäßig bedeutendsten Rotweinsorte Domina mit einem Anteil von 5,1 % auf der Liste der wichtigsten Rebsorten in Franken.

Der Anteil von Wein aus roten Trauben (Rotwein, Rosè, Weißherbst und blanc de noirs) betrug knapp 15 % und ist damit zum Vorjahr leicht rückläufig.

Fast 34 % der Menge wurden unter einem Einzellagenamen, fast 17 % unter einem Großlagenamen und knapp 50 % ohne Lagenangabe (z.B. mit Markennamen) vermarktet. Damit setzte sich in der Etikettierung der Weine der Trend weg von den Lagennamen und hin zu Markennamen oder sonstigen Bezeichnungen auch in 2015 weiter fort.

Allgemein ist festzuhalten, dass es den heimischen Winzern mit ihrem Können nach den Beurteilungen der amtlichen Weinprüferinnen und -prüfer erfreulich gut gelungen ist, aus dem Jahrgang 2014 ansprechende Weine zu erzeugen. Damit dürfte vielerorts erneut der Grundstein für die erfolgreiche Teilnahme an großen internationalen Weinprämierungen gelegt sein.

Nach dem leichten Abschwung im Jahr 2014 stabilisierte sich die Herstellung von Sekt b.A. aus Franken 2015 mit dieses Mal insgesamt 110 Anträgen (bei einer Gesamtmenge von rund 179.000 Liter). Sie liegt damit wieder über dem bislang niedrigsten Niveau von 2012 (2012: 91 Partien mit 164.000 Liter). Es bleibt nur die Feststellung, dass die nachgewiesene Qualität der geprüften Sekte b.A. Franken einen weit größeren Absatz verdient hätte. Die Rebsorte Silvaner war dabei mit rund 55.000 Litern wieder einmal die bedeutendste. Ihr folgte der Riesling mit gut 35.000 Litern. Nach gut 40.000 Liter in 2014 erreichten im vergangenen Jahr lediglich knapp 30.000 Liter Sekt b.A. ohne Rebsortenangabe die Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken. Knapp 77 % der Sekt-Menge wurde nach dem traditionellen klassischen Verfahren in der Flasche vergoren und nach einer Mindestlagerzeit von 9 Monaten auf der Hefe degorgiert (Degorgierung = Fachbegriff für die Entfernung des Hefepfropfens im Hals der Sektflasche, ohne, dass der Sekt die Flasche verlässt). Etwa 56 % der angestellten Menge trägt als engere Herkunftsangabe einen Lagenamen. Etwa 78 % der Menge darf mit den Geschmacksangaben „brut nature“ (unter 3 g/l Restzucker), „extra brut“ (bis 6 g/l Restzucker) oder „brut“ (unter 12 g/l Restzucker) bezeichnet werden.


Pressesprecher Johannes Hardenacke, Tel. 0931/380-1109, Fax 0931/380-2109