Presseinfo 182/16 — 07. Juli 2016


2015 – Ein guter Jahrgang

Regierung von Unterfranken zieht Zwischenbilanz für das 1. Halbjahr 2016 bei der Qualitätsprüfung für Weine

Würzburg (ruf) – Nach einem Sommer mit neuen Temperaturrekorden und deswegen viel Arbeit mit der Bewässerung der Reben durften die Winzer und ihre Kunden auf einen hervorragenden Weinjahrgang 2015 hoffen, obwohl just zur Erntezeit und damit im ungünstigsten Augenblick der zuvor so schmerzlich vermisste Regen einsetzte. Mit einem Anteil von über 65 % prädikatsweingeeigneter Moste erfüllte die Ernte 2015 dann auch die in sie gesetzten Erwartungen hinsichtlich der Qualität voll und ganz. Leider erreichte jedoch die Erntemenge mit einem durchschnittlichen Ertrag von nur rund 69 hl/ha nicht ganz die Durchschnittsmenge der vorangegangenen 10 Jahre (Durchschnittsmenge 2014: rund 77 hl/ha).

Zum Stichtag 30.06.2016 wurden vom 2015er Jahrgang mit 24,0 Millionen Liter schon gut 57 % der tatsächlichen Erntemenge von 42,0 Millionen Liter in der Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken geprüft. Im Vorjahr lagen die Vergleichszahlen für den Jahrgang 2014 bei 54 %, was in absoluten Zahlen einer geprüften Menge von 25,1 Millionen Liter aus einer Gesamternte von 46,9 Millionen Liter entspricht.

Der Jahrgang 2015 bereitete unseren Weinbaubetrieben auf Grund seiner hohen Qualität im Keller offenbar keine außergewöhnlichen Probleme, so dass sehr hochwertige Weine zur Qualitätsprüfung angestellt werden konnten. Dies schlägt sich auch im Ergebnis der Weinprüfungen nieder. Es konnten mehr als 96 % der angestellten Weinpartien, die für rund 97,5 % der geprüften Weinmenge stehen die beantragte Amtliche Prüfnummer (A.P.Nr.) zugeteilt werden. Ein herausragendes Ergebnis, das erwarten lässt, dass die Weine auch international wieder für Frankens Renommee sorgen werden.

Von den Anträgen auf Erteilung einer A.P.Nr. betrafen rund 27 % mit ca. 33 % der angestellten Weinmenge Abfüllungen im Bocksbeutel. Damit ist erstmals seit längerer Zeit wieder ein Anstieg der Bocksbeutelfüllungen zu verzeichnen. Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich die für das 2. Halbjahr 2016 vorgesehene Markteinführung des neuen Bocksbeutel PS auf diese Zahlen auswirken wird.

Auch im Jahr 2016 bleibt der Trend zum Silvaner ungebrochen. Zwar liegt nach der bestockten Rebfläche der Müller-Thurgau in Franken nach wie vor unangefochten auf Platz eins, jedoch holt auch hier der Silvaner offenbar unaufhaltsam auf. Nach unseren Antragszahlen zur Qualitätsprüfung der Weine übertrifft der Silvaner im 1. Halbjahr 2016 erneut deutlich den Müller-Thurgau. Für Weine aus Silvaner gingen fast 1.900 Anträge mit einer Weinmenge von knapp 6,9 Millionen Liter bei uns ein. Das entspricht einem Anteil bezogen auf die eingereichten Anträge für Weine mit Rebsortenangabe von rund 25 % der Anträge mit knapp 32 % der Weinmenge. Die entsprechenden Zahlen für den Müller-Thurgau lauten: über 1.300 Anträge (knapp 18 %) bei einer Weinmenge von rund 5,7 Millionen Liter (26 %). Die im Hinblick auf die Anbaufläche „fehlenden“ Mengen an Müller-Thurgau werden wohl in erster Linie als Verschnittpartner in anderen Weinen und hier insbesondere im Rotling verwendet worden sein. Weitere mengenmäßig bedeutende Rebsorten in Franken sind auch heuer wieder der Bacchus (3,2 Millionen Liter, 15 %), der Riesling (1,1 Millionen Liter, 5 %) und die Rotweinsorte Domina (0,9 Millionen Liter, 4,1 %).

Das Aufkommen an Rotlingen zeigt sich in diesem Jahr stabil. Wie im Vorjahreszeitraum, lauten die Zahlen für das 1. Halbjahr 2016 rund 1,9 Millionen Liter entsprechend etwa 7,4 % der Weinmenge. Das lässt erwarten, dass sich diese Weinart endgültig im Markt etabliert hat. Rotlinge sind frische, fruchtige Sommerweine, die aus dem Verschnitt von weißen und roten Trauben gewonnen werden. Im Unterschied dazu dürfen Roséweine und Weißherbste ausschließlich aus roten Trauben erzeugt werden. Die beiden letztgenannten Weinarten erreichten mit zusammen fast 480.000 Litern allerdings lediglich einen Anteil von rund 1,9 %.

Der Jahrgang 2015 war im Berichtszeitraum mit über 87 % der angestellten Weinmenge vertreten, immerhin noch 9,4 % entfielen auf 2014er Weine, der Rest auf ältere Jahrgänge bzw. auf Weine, die ohne Jahrgangsangabe zur Prüfung angestellt wurden.

Bei einem Anteil von über 65 % an prädikatsweingeeigneten Mosten kamen heuer bislang rund 29 % der geprüften Weinmenge als Prädikatsweine zu uns, deutlich mehr als noch im Vergleichszeitraum 2015 mit damals nur 22 %. Auch an dieser Steigerung des Prädikatsweinanteils kann man die besondere Güte des Jahrgangs 2015 ablesen.

Zwar konnte im 1. Halbjahr 2016 mit insgesamt 45 Anträgen auf Sektprüfung – nach 39 im Vergleichszeitraum 2015 – nochmals eine Steigerung der Antragszahlen verzeichnet werden, trotzdem verharrt die Herstellung von Sekt b.A. Franken auch in 2016 auf sehr niedrigem Niveau. Dies ist aus hiesiger Sicht umso unverständlicher, als die Produktqualitäten der Sekte b.A. Franken - ausweislich der Prüfergebnisse der Sektanstellungen - ganz ausgezeichnet sind. Immerhin stieg auch die geprüfte Sektmenge nach 55.700 Litern im 1. Halbjahr 2015 auf nunmehr 79.500 Litern prozentual nicht unerheblich an. Bei den Antragszahlen zur Sektprüfung ist allerdings zu berücksichtigen, dass nicht nur in Franken, sondern deutschlandweit, die meisten Sekte ohne A.P.Nummer, d.h. ohne amtliche Qualitätsprüfung, und damit - auf Grund gesetzlicher Vorschriften - ohne engere Herkunftsbezeichnung als "Deutschland" vermarktet werden, weil die Verbraucher in diesem Marktsegment offenbar weit überwiegend keinen besonderen Wert auf die Kenntnis des Ursprungs der Ausgangsweine legen. Bei einem nicht unerheblichen Teil der fränkischen Sekte, dürfte somit die fränkische Herkunft nur nicht erkennbar sein.


Pressesprecher Johannes Hardenacke, Tel. 0931/380-1109, Fax 0931/380-2109