Presseinfo 227/16 — 08. September 2016


Schülerzahlen steigen erstmals auch im Mittelschulbereich wieder an - Einschulungen über Vorjahresniveau

Schulverwaltungen reagieren auf steigende Asylbewerberzahlen

Unterfränkische Schullandschaft im Schuljahr 2016/2017

Würzburg (ruf) – Die Entwicklung der Schülerzahlen, die daraus resultierenden organisatorischen Anpassungen bei der Klassenbildung und der Lehrerversorgung, die schulorganisatorischen Herausforderungen vor dem Hintergrund der gestiegenen Asylbewerberzahlen und die anhaltende positive Entwicklung bei den Mittelschulen standen im Zentrum der diesjährigen Schuljahrespressekonferenz, in der Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer die aktuelle Situation der Grund-, Mittel-, Förder- und Berufsschulen für das neue Schuljahr 2016/2017 darlegte.

„Erfreulich ist, dass die Schülerzahlen bei den Grund- und Mittelschulen erstmalig seit Jahren wieder positiv sind und dies in allen drei unterfränkischen Regionen (Main-Rhön, Würzburg und Untermain). Der seit Jahren rückläufige Trend scheint sich vor allem durch den bisherigen Zugang von Schülern mit Migrationshintergrund zunehmend zu stabilisieren. Die Schulanfänger können sogar um 329 Schülerinnen und Schüler (plus 3,19%) zulegen“, so Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer in seinem diesjährigen Fazit. Dies wirke sich auch auf die kleinen Standorte aus, deren Anteil rückläufig sei. „In Unterfranken gibt es im Schuljahr 2016/17 nur noch 42 staatliche Grundschulen bzw. Grundschulanteile an Volksschulen (Vorjahr 46), die von weniger als 80 Schülern besucht werden, an 12 Grundschulen (Vorjahr 15), werden weniger als 4 Klassen unterrichtet. Die schulorganisatorischen Herausforderungen für die Schulverantwortlichen, vor allem bei der Lehrerversorgung kleiner Schulen und am Untermain im Grenzbereich zu Hessen, bleiben allerdings bestehen“, so der Regierungspräsident.

Der Regierungspräsident betonte erneut, dass die Mittelschulen – zu Recht – bei Schülern, Eltern, aber auch bei den Betrieben ein hohes Ansehen genießen. Diese legen mit 412 zusätzlichen Schülern im kommenden Schuljahr um rund 2% bei den Schülerzahlen zu. Die Bayerische Mittelschule erweist sich dank ihrer vielfältigen Wahlmöglichkeiten immer mehr als ein berufsnahes und damit für viele Schüler passenderes Modell. Offensichtlich akzeptieren Eltern und Jugendliche zunehmend das erweiterte Angebot an Praxisanteilen und Berufsorientierung, was sich vor allem in der Projektprüfung als wichtigem Teil der Abschlussprüfungen, widerspiegelt. Etwa ein Drittel aller Mittelschüler erreichen den Mittleren Schulabschluss, zwei Drittel den qualifizierenden Mittelschulabschluss bzw. den erfolgreichen Mittelschulabschluss. Die Zahlen der Abgangsschüler ohne Abschluss sind in Unterfranken marginal.

„Gut ausgebildete Mittelschüler sind insbesondere für unsere Handwerksbetriebe unentbehrlich und Handwerk hat Zukunft. Hier bieten sich auch langfristig gute Berufschancen“, so der Regierungspräsident. Er dankte insoweit erneut den vielen engagierten Lehrkräften, die zum positiven Image der Mittelschulen beitragen. Dennoch: Einzelne Standorte von Mittelschulen in den Mittelschulverbünden sind aufgrund regionaler Gegebenheiten nicht langfristig gesichert. So sind im beginnenden Schuljahr drei weitere Mittelschulen inaktiv gesetzt worden. Mittlerweile beträgt auch bei den staatlichen Mittelschulen an 26 Standorten die Schülerzahl unter 100.

Zur Stabilisierung der Schülerzahlen tragen in Unterfranken aktuell die Asylbewerberzugänge der letzten Zeit bei. So wurden zum kommenden Schuljahr von den Schulämtern insgesamt 2100 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund mehr gemeldet bzw. 1300 Kinder mehr, die Defizite in der deutschen Sprache aufweisen. Dem Rechnung tragend, stehen den Schulämtern zusätzliche Förderstunden für Deutschförderklassen, Deutschförderkurse und Übergangsklassen zur Verfügung. So konnte die Zahl der Übergangsklassen im Schuljahr 2016/2017 von 32 zum Schuljahresanfang 2015/2016 auf jetzt 71 gesteigert werden.

„Die Schullandschaft ist und bleibt in Unterfranken in Bewegung“, betonte auch der zuständige Bereichsleiter Schulen der Regierung von Unterfranken, Abteilungsdirektor Gustav Eirich. „Die durchschnittliche Schülerzahl pro Klasse im Grund- und Mittelschulbereich liegt stabil bei rund 20 Schülern“, stellte der Bereichsleiter vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen zum Schuljahresanfang heraus. So starten bei einem Plus der Gesamtschülerzahlen (+ 2,13%) bei den Grund- und Mittelschulen 3.098 Klassen ins neue Schuljahr, 42 Klassen mehr als im Vorjahr. In rund 91% der Klassen werden jeweils bis maximal 25 Schüler unterrichtet. Die Zahl der kleinen Klassen bis zu 20 Schülern beträgt 1.714 (Vorjahr: 1.704), was einen Anteil von 55,33% an der Zahl der Gesamtklassen ausmacht.

Die Lehrerversorgung wurde, nach den positiven Einstellungszahlen des vergangenen Schuljahres, auch zum kommenden Schuljahr erneut gesichert. Hier ergibt sich allerdings ein differenzierteres Bild. Rein rechnerisch ergibt sich zum Schuljahr 2016/2017 zwar ein Zuwachs von 26 Lehrerstellen. Bezogen auf die zu besetzenden 201 Vollzeitkontingente erwies sich jedoch die Einstellung der entsprechenden Lehrkräfte als durchaus schwierig. Hintergrund ist die geringe Anzahl von Grund- und Mittelschullehrkräften, die insgesamt in Bayern zur Einstellung zur Verfügung standen. Aus diesem Grund wurden alle Grund- und Mittelschullehrkräfte bis zur Examensnote 3,5 eingestellt, dies bedeutet Volleinstellung. Die übrigen Stellen wurden vor allem über die Sondermaßnahme „begleitete Qualifizierung“ mit Lehrkräften mit Lehramt Gymnasium und Realschule bzw. mit befristeten Einstellungen besetzt.

Auch im Bereich der Förder- und Berufsschulen gibt es wichtige Themen, die das neue Schuljahr prägen. Die Schülerzahlen bei den Förderschulen bleiben erneut konstant. Auch vor dem Hintergrund, dass Eltern behinderter Kinder jetzt grundsätzlich selbst entscheiden können, ob ihr Kind auf eine allgemeine oder auf eine Förderschule gehen soll, zeigt dies weiterhin den hohen Stellenwert, den unsere Förderschulen genießen. Für das Schuljahr 2016/2017 sind 6.163 Schülerinnen und Schüler an den unterfränkischen Förderzentren (ohne Schule für Kranke und Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung) gemeldet. Zwei unterfränkischen Förderzentren wurde das Schulprofil Inklusion verliehen.

Neuigkeiten gibt es auch bei den Berufsschulen zu vermelden: Bei einem erwarteten leichten Schülerrückgang der Berufsschulen sind die Anmeldezahlen bei den mehr als 100 Berufsfachschulen und Fachschulen durchweg gut. Immer mehr junge Menschen erkennen die großen Chancen im beruflichen Fortkommen, die ihnen Fachschulen (Techniker- und Meisterschulen) und Fachakademien bieten. Auch hier bleiben die Anmeldezahlen auf hohem Niveau.

Im kommenden Schuljahr Im Schuljahr 2016/17 werden die Bildungsangebote für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge erneut massiv ausgeweitet. Nach den derzeitigen Planungen werden im September 2016 in Unterfranken an 28 beruflichen Schulen mehr als 100 Berufsintegrationsklassen mit rund 2000 Schulplätzen für Flüchtlinge in BI-Klassen eingerichtet sein (zum Schuljahresanfang 2015/2016 waren es noch 37 BI-Klassen). Für die beteiligten Schulen bedeutet dies einen Kraftakt, denn sie müssen im Integrationsbereich rund dreimal so viel Schüler aufnehmen und Klassen einrichten wie noch im Vorjahr.

Hinweis:
Die Regierung von Unterfranken ist für Grund- und Mittelschulen, Berufliche Schulen und für Förderschulen in ganz Unterfranken zuständig. Zu den Aufgaben gehören hierbei insbesondere Personaleinsatz und -verwaltung, Schulorganisation, Schulentwicklung, Lehrerfortbildung und vieles mehr.

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Dokument Typ Dateigröße
Ausführliches Statement zur Schuljahrespressekonferenz PDF 670 KB
Karte Mittelschulen in Unterfranken (Stand: 01.08.2016) PDF 96 KB

Pressesprecher Johannes Hardenacke, Tel. 0931/380-1109, Fax 0931/380-2109