Presseinfo 043/17 — 08. Februar 2017


„Herausforderndes Jahr mit gutem Ende“
Regierung von Unterfranken zieht Bilanz der amtlichen Weinprüfung für 2016

Würzburg (ruf) –  Mit dem Jahrgang 2015 können die fränkischen Winzer sowohl hinsichtlich der Menge als auch und insbesondere mit der Qualität sehr zufrieden sein. Ein heißer Sommer 2015 ließ die Vorfreude auf den Weinjahrgang 2015 steigen. Zwar zwang der mit der Hitze einhergehende Wassermangel in den Weinbergen vielerorts zu Bewässerungsmaßnahmen. Am Ende ist dann aber - trotz zwischenzeitlichen (und hier unerwünschten) Regens in der Reifezeit - alles gut gegangen. Wie bereits 2014 wurde die Hauptlese in Franken auch 2015 binnen 14 Tagen beendet. Es gelang den Winzern jedenfalls auch im vergangenen Jahr in einem hohen Maß wieder klasse Weine aus ihren Trauben zu erzeugen. Die aktuelle Auswertung der insgesamt über 12.500 Verfahren zur Qualitätsprüfung der Weine und Schaumweine der Regierung von Unterfranken für das Prüfjahr 2016, legt diese Sichtweise jedenfalls nahe. Im abgelaufenen Prüfjahr 2016 wurden in erster Linie die Weine des Jahrgangs 2015 zum „amtlichen Wein-TÜV“ angestellt. Von diesem Jahrgang hatten am Ende des Jahres 2016 mit ca. 32,9 Millionen Litern rund 78 % der Erntemenge von etwa 42,0 Millionen Liter das amtliche Prüfverfahren durchlaufen.

Der Anteil der „fränkisch-trocken“ ausgebauten Weine mit maximal 4 Gramm Restzucker an den Anstellungen im Jahr 2016 ist mit 7,9 Millionen Liter (20,7 %) gegenüber dem Prüfjahr 2015 deutlich gestiegen (Prüfjahr 2015: 18,2%). Hingegen ging der Anteil der Weine mit einem Restzuckergehalt zwischen 4 und 9 Gramm pro Liter mit 16,0 Millionen Liter (42,3 %) ebenso deutlich erkennbar zurück (Prüfjahr 2015: 46,3%). Letztere Weine dürfen nach EU-Recht ebenfalls mit der Geschmacksangabe „trocken“ bezeichnet werden. Anders als bei den Sekten besteht aber keine Verpflichtung die Geschmacksangabe in der Etikettierung der Weine anzubringen. Die Quote der Bocksbeutelfüllungen erlebte mit einem Anstieg von 29 % in 2015 auf nunmehr ca. 32 % der geprüften Weinmenge einen merklichen Aufschwung, der möglicherweise mit der Einführung des neuen Bocksbeutels PS zusammenhängen könnte. Weine, die in Bocksbeutel gefüllt sind, müssen bekanntlich höhere Anforderungen in der Qualitätsprüfung der Weine erfüllen als solche, die in anderen Flaschenformen vermarktet werden.

Auch die beliebte Weinart „Rotling“, ein Verschnitt von Weißweintrauben mit Rotweintrauben, die meist sehr fruchtige Weine ergibt, erreichte im Jahr 2016 mit einem Anteil von 7,4 % ein unverkennbar höheres Niveau als 2015. Im Unterschied dazu dürfen Roséweine, die den Rotlingen meist zum Verwechseln ähnlich sehen, ausschließlich aus roten Trauben erzeugt werden. Roséweine erreichten allerdings mit lediglich knapp 1,4 % nur einen sehr bescheidenen Anteil an den geprüften Weinen.

Rund 86,5 % der geprüften Weinmenge wurde mit einer Rebsortenangabe vorgestellt; und zwar unter 69 verschiedenen Rebsorten. Zugelassen zur Weinbereitung sind in Bayern derzeit übrigens genau 115 (68 weiße und 47 rote Rebsorten). Das Hauptkontingent stellte zum siebten Mal in Folge der Silvaner, dieses Mal mit 31,2 % der Menge, gefolgt vom Müller-Thurgau mit 27,1 % Anteil. Müller-Thurgau ist die Rebsorte, die in den Jahren bis 2009 immer am stärksten vertreten war. Auf Platz 3 landete erneut der Bacchus mit 14,5 % Anteil, gefolgt von der mengenmäßig bedeutendsten Rotweinsorte Domina mit einem Anteil von 5,0 % und dem Riesling mit 4,6 % auf der Liste der wichtigsten Rebsorten in Franken.

Der Anteil von Wein aus roten Trauben (Rotwein, Rosè, Weißherbst und Blanc de Noirs) betrug immerhin knapp 16 % und liegt damit im Vergleich zum Vorjahr leicht höher. 34 % der Menge wurden unter einem Einzellagenamen, fast 15 % unter einem Großlagenamen und gut 51 % ohne Lagenangabe (z.B. mit Markennamen) vermarktet. Damit setzte sich in der Etikettierung der Weine der Trend weg von den Lagennamen und hin zu Markennamen oder sonstigen Bezeichnungen auch 2016 weiter fort.

Allgemein ist festzuhalten, dass es den heimischen Winzern mit ihrem Können nach den Beurteilungen der amtlichen Weinprüferinnen und -prüfer ausnehmend gut gelungen ist, aus dem Jahrgang 2015 hochwertige Weine zu erzeugen. So konnten etwas mehr als 96 % der über 12.500 Anträge nach den Ergebnissen der Qualitätsprüfungen die begehrten Amtlichen Prüfungsnummern (A.P.Nrn.) im vergangenen Jahr zugeteilt werden. Im langjährigen Vergleich ein absolutes Spitzenresultat. Solche Ergebnisse sind für die Winzer aber auch geradezu überlebenswichtig, denn nur die positiv getesteten Weine dürfen als Qualitäts- oder Prädikatsweine vermarktet werden. Das wiederum ist hierzulande eine wesentliche Grundlage, um wirtschaftlich rentable Preise beim Verkauf erzielen zu können.

Beim Sekt b.A. aus Franken ging die Tendenz im Jahr 2016 im Vergleich zu den Vorjahren endlich mal wieder nach oben, mit 2016 insgesamt 107 Anträgen bei einer Gesamtmenge von rund 202.000 Liter. Die geprüfte Sektmenge liegt damit auf dem seit vielen Jahren höchsten Niveau. Der Tiefpunkt war 2012 mit 91 Partien mit 164.00 Liter Sekt b.A. erreicht. Trotzdem bleibt die Feststellung gültig, dass die nachgewiesene Qualität der geprüften Sekte b.A. Franken einen weit größeren Absatz verdient hätte. Die Rebsorte Silvaner war beim Sekt b.A. mit rund 58.000 Litern wieder einmal die bedeutendste. Ihr folgte der Riesling mit ca. 45.000 Litern. Dazu kamen rund 44.000 Liter ohne Rebsortenangabe. Der Rest verteilte sich auf eine Reihe weiterer Rebsorten. Gut 73 % der geprüften Sekt-Menge wurde nach dem traditionellen klassischen Verfahren in der Flasche vergoren und nach einer Mindestlagerzeit von 9 Monaten auf der Hefe degorgiert (Degorgierung = Fachbegriff für die Entfernung des Hefepfropfens im Hals der Sektflasche, ohne dass der Sekt die Flasche verlässt).


Pressesprecher Johannes Hardenacke, Tel. 0931/380-1109, Fax 0931/380-2109